Schwerlastterminal Straubing Hafen
SCHWERLASTTERMINAL
Straubing Hafen
Dichter Nebel liegt über den Kaimauern des Hafens in Straubing und nur schemenhaft erkennt man die hoch aufragenden Hafenkräne und die in der Ferne vorbeiziehenden Lastschiffe auf der Donau.
In dieser Reportage erzählen wir von den besonderen Herausforderungen beim Bau einer Hafenhalbinsel und wie Mayerhofer durch höchst professionelles Zusammenwirken von Menschen und Maschinen die Grenzen des Spezialtiefbaus erweitert.
Kernstück dieses Bauprojektes am Hafen Straubing-Sand ist der Bau einer 160 x 24 Meter großen Hafenhalbinsel mit vier zusätzlichen Liegeplätzen für Binnenschiffe, einer 60 Meter langen Schwergutplatte sowie vorbereitende Maßnahmen für die spätere Errichtung eines 130-Tonnen-Portalkrans und einer Gleisanbindung an das nationale Bahnnetz, wie in der Presseinformation des Hafens zu lesen ist.
Was diese Baustelle so besonders macht und die Presseinformation nicht erahnen lässt: die Errichtung dieser Halbinsel kann nicht vom Land aus geschehen, sondern vom Wasser aus. So liegen bei unserem Besuch am Hafen Donauschiffe, aber auch Bohr- und Rammgeräte, Seilbagger und andere Maschinen für den Spezialtiefbau vor Anker.
Vor Anker liegen sie ja eigentlich gar nicht, sondern sie befinden sich auf schwimmenden Schwerlastpontons, welche von einem kleinen Schubboot an ihren Arbeitsplatz manövriert werden. Das Rammgerät und auch der Seilbagger sind auf einem jeweils eigenen Ponton positioniert, welches die schwere Last von über 100 Tonnen trägt. Dabei müssen die Geräte auch noch ihre Arbeit verrichten, ständig ihre Position ändern und dabei immer den schwankenden Schwimmkörper berücksichtigen. Auch der uneingeschränkte Betrieb an den beiden Kais, das Ein- und Ausfahren großer Frachtkähne in unmittelbarer Nähe der Pontons muss in allen Bauabschnitten gewährleistet werden.
Wie läuft nun die Errichtung der Hafenhalbinsel ab und worin liegen die besonderen Herausforderungen für Mayerhofer?
Durch die Schifffahrt und den Wechsel der Wasserstände lagert sich feines Material am Grund des Hafenbeckens an, welches am Beginn der Arbeiten erst einmal mit einem Bagger entfernt wurde. Dort, wo später eine Kaimauer die Halbinsel begrenzen soll, wurde in einem weiteren Schritt eine Lehre für die Bohr- und Rammarbeiten gesetzt, welche vom Vermessungsteam von Mayerhofer millimetergenau eingemessen und justiert wurde. Die Vermesser kontrollieren auch bei den weiteren Bauarbeiten ständig die Genauigkeit der Gewerke und setzen dabei auf hochpräzise Messgeräte und eine 3D-Darstellung, welche sogar Drohnenbilder miteinbezieht.
Die Kaiwände der Halbinsel werden mittels Spundbohlen hergestellt, welche durch ineinandergreifende Schlösser verbunden sind. Die auf der Hafenbaustelle verwendeten Spundbohlen haben eine Länge von 23 Metern, was den Seilbagger, welcher die Spundbohlen in die richtige Position bringt und das Rammgerät, welches die Stahlteile im Boden verankert, an ihre Grenzen bringt. 8 Tonnen wiegt eine einzelne Spundwand, mit einer Breite von 1,4 Metern und der besagten Länge – ein riesiges Stahlbauteil.
Der Boden am Hafengrund ist geologisch vielfältig. Damit eine bestmögliche Verankerung der Spundbohlen gewährleistet ist, wurden nach Errichtung der Lehre Lockerungsbohrungen als Einbringhilfe hergestellt. Dort, wo besonders hartes Gestein angetroffen wurde, können die Bohlen nur mit Hilfe von Austauschbohrungen eingebracht werden. Das bedeutet, dass der harte Fels ausgebohrt und die Bohrlöcher mit rammfähigem Lockergestein (Kies) verfüllt werden müssen.
Wenn die Kaiwände der Halbinsel fertiggestellt sind, werden Spundwände mit der Gesamtlänge von mehr als 6 Kilometern dem Bauwerk Gestalt verleihen.
Steht man am Südkai des Hafens Straubing-Sand und beobachtet das Geschehen, erkennt man ein ungemein eingespieltes Team von Mayerhofer, welches die Halbinsel - trotz der schwankenden Pontons, auf denen Menschen und Maschinen agieren - in einem rhythmischen Zusammenwirken und einem atemberaubenden Tempo mit höchster Präzision erbaut.
Noch fehlen einige Meter, bis sich die letzte Wand der Halbinsel schließt, aber Mark, der Bauleiter vor Ort erzählt uns, wie es in den kommenden Monaten weitergeht.
Er selbst sei erst seit einigen Monaten bei Mayerhofer und stamme aus Holland, meint der junge Bauleiter, der seit 14 Jahren im Ingenieurbau tätig ist. Die Liebe habe ihn nach Passau geführt und nun ist er bei Mayerhofer gelandet.
Auch in Holland habe sein damaliger Arbeitgeber unzählige Kilometer an Spundwänden gesetzt, denn Wasser gibt es in Holland ja bekanntlich überall. So hat dann auch Christian, der Chef, gemeint, er solle gleich die Baustelle in Straubing übernehmen denn
„da fühle ich mich immer noch
ein bisschen wie zu Hause,
mit dem Wasser der Donau und den vielen
Spundwänden hier auf der Baustelle“, lacht Mark.
Sobald die Spundwände alle eingebracht sind, beginnt dann die Aufschüttung der Halbinsel. 40.000 m3 Schotter sind dafür notwendig.
Im Zuge der Aufschüttung werden die Spundwände an vielen Stellen mit Stabankern - wie bei einen Fangedamm - zusammengespannt. Nur so können die enormen Lasten aus der Schotterverfüllung aufgenommen werden und die Spundwand in Ihrer Lage stabil bis zur Oberkante verfüllt werden. Sobald die Auffüllarbeiten abgeschlossen sind, werden zur Realisierung eines Schwerlastterminals 8.000 Laufmeter Bohrpfähle hergestellt, sodass die Schwergutplatte die später auf sie einwirkenden Lasten in den Baugrund abtragen kann und eine zusätzliche Belastung der Kaispundwände ausgeschlossen wird. Auch alle weiteren Betonarbeiten werden von Mayerhofer übernommen, die Halbinsel also auch für die Errichtung des 130-Tonnen-Portalkrans und die Gleisanbindung ans Bahnnetz vorbereitet.
Zudem wird auch noch eine neue Sliprampe errichtet, welche in leichtem Bogen auf der Südseite der Halbinsel zum Wasser führt.
Es gibt also noch viel zu tun auf der Baustelle im Hafen von Straubing-Sand, Menschen und Maschinen können die schwankenden Plattformen jedoch bald schon verlassen und auf festem Grund das Bauvorhaben zu einem guten Ende führen.